

Vier Spiele, vier Niederlagen. So ernüchternd liest sich die Bilanz Jan-Ove Waldners im Trikot des Bundesligisten TTC Fulda-Maberzell. Der hessische Klub steht als Tabellenzweiter mit 6:2 Punkten zwar dennoch gut da. Doch das liegt eher an den guten Leistungen des chinesischen Abwehrspielers Wang Xi und des Schweden Robert Svensson. Sein Landsmann Waldner trug bislang nur einen Erfolg im Doppel an der Seite Svenssons für Fulda bei: Am Dienstagabend gewannen die beiden in Saarbrücken das letzte Match gegen Bojan Tokic und Leung Chu Yan, nachdem Waldner bei 1:1 Sätzen und 2:9-Rückstand im dritten Durchgang plötzlich begann, alles zu treffen. „Ab dahin hat er in diesem und dem anschließenden vierten Satz überhaupt nur noch einen einzigen Fehler gemacht – und das war ein Fehlaufschlag”, berichtet Frank Schreiner.
Der Geschäftsführer von DONIC, Waldners Ausrüsterfirma, ist seit Jahren auch einer der engsten Freunde des schwedischen Superstars. Schreiner freute es natürlich, dass Waldners Genialität noch einmal aufblitzte. Gleichzeitig ärgerte er sich aber auch, „weil man da genau sehen konnte, was er immer noch spielen kann, wenn er einigermaßen seriös arbeiten und sich vorbereiten würde. Er könnte in Europa noch immer gegen alle gewinnen, außer gegen Boll, Samsonov und vielleicht Maze.”
Doch mitunter wirkt Waldner müder denn je. Am Samstag feierte er seinen 44. Geburtstag. Niemand würde es ihm verdenken, wenn er von sich aus aufhören würde. Obwohl die Fans ihn sicher lieber noch spielen sehen wollen. „Aber dann”, so fordert Schreiner, „muss er auch etwas tun.” Er mahnt: „Es ist fünf vor zwölf. Waldi muss sich jetzt fragen: Will ich noch seriös Profisport machen oder nicht mehr? Wenn er so weitermacht, halte ich es für unwahrscheinlich, dass er nächste Saison noch in der Bundesliga spielt.”
Allzu viel wäre vermutlich gar nicht nötig, um die Kurve noch ein weiteres Mal zu kriegen. Auch in der letzten Saison startete Waldner mit 1:5, erhöhte seinen Trainingsaufwand ein wenig und legte noch eine 9:7-Bilanz hin. In diesem Jahr verlor er zwei seiner vier Einzel denkbar knapp: gegen den Singapur-Chinesen Yang Zi (TTC Jülich) mit 8:11 und gegen den Polen Jacub Kosowski (SV Plüderhausen) mit 10:12 im Entscheidungssatz. Hätte er seinen Matchball gegen Kosowski verwandelt, stünde Fulda jetzt sogar mit 8:0 Punkten da. Klubchef Stefan Frauenholz äußerte sich nach dem jüngsten 3:2-Sieg seines Teams in Saarbrücken dennoch hochzufrieden: „Jetzt sind wir ganz oben mit dabei und haben beste Werbung für den Knaller gegen Düsseldorf am Sonntag betrieben.”
Für dieses Match soll denn auch Waldner in bessere Form kommen. Angedacht ist, dass der Schwede nun bis zum Wochenende in Deutschland bleibt, um sich vorzubereiten. Dabei geht es vor allem um seine Physis. „Seine körperliche Defizite sind schlimmer als die spielerischen”, sagt Frank Schreiner. An die Ausnahmeklasse seines Aushängeschildes glaubt der Firmenchef nach wie vor. Schreiner sagt: „Das Gute ist: Er hat’s selbst in der Hand.”
Wer wollte da widersprechen?





