15.09.09 21:10
 
Deutschland zittert sich mit 3:0 ins Endspiel
Titelverteidiger Deutschland steht im Endspiel der EM. Doch die Art und Weise, wie der Favorit dieses Finale erreichte, war alles andere als normal…

Dimitrij Ovtcharov (Deutschland)/Foto: Agentur Diener

Für Gastgeber Deutschland begann die Aufregung im Spiel gegen Rumänien schon vor dem ersten Ballwechsel. Dimitrij Ovtcharovs Rückhandbelag wurde bei der Messung der Belagstärke als zu dick befunden – ein Schock für die Deutschen. Ausgerechnet dem stets akribischen Ovtcharov sollte das passiert sein?

Der Deutsche diskutierte eine Weile genervt mit dem Schiedsrichter, forderte eine erneute Messung, weil er fest überzeugt war, sein Belag könne nicht zu dick sein, und griff dann schließlich zum Ersatzschläger. Nicht zu seinem eigenen allerdings, sondern zu dem von Patrick Baum. Er habe unter diesen Umständen ja befürchten müssen, dass auch die Beläge seines Ersatzschlägers zu dick seien, erklärte Ovtcharov kopfschüttelnd.
Einen Satz lang traf er wenig, im zweiten Durchgang, bei 2:4-Rückstand, meldete Ovtcharov dann, Baums Schläger sei kaputt, und er tauschte  ihn gegen seinen eigenen Ersatzschläger aus. Ein Riss sei im Belag gewesen, erklärten die Deutschen später, und DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig betonte: „Dimitrij hat den Schläger nicht nur einem Schiedsrichter gezeigt, sondern beiden. Und beide haben das so akzeptiert.”
Mit dem nächsten Schläger wurde Ovtcharovs Spiel allmählich besser. Am Ende spielte der Deutsche überragend, zog und schoss aus allen Lagen und traf wie in Trance fast jeden Ball. Doch nach dem 3:2-Sieg galt es noch bange Minuten zu überstehen: Nun wurden beide Schläger, mit denen Ovtcharov gespielt hatte, einer nachträglichen Kontrolle unterzogen. So schreibt es das Reglement vor. Das Ergebnis, ermittelt im Beisein der rumänischen Mannschaftsführung: Beide Schläger waren in Ordnung, die Partie wurde gewertet wie gespielt.

Doch damit waren die Gastgeber noch lange nicht am Ziel. Zwei Sätze lang sah Timo Boll gegen Constantin Cioti aus wie ein Nachwuchsspieler. Europas Nummer eins, immer noch von Rückenproblemen geplagt, spielte weit unter seinem Niveau, lag 0:2 zurück und kämpfte sich nur mühsam zu einem 3:2-Erfolg (11:8 im Entscheidungssatz). „Cioti hat mich überrumpelt, er hat sehr gut gespielt”, attestierte Boll. „Ich war froh, den Schalter dann noch umlegen zu können.”

Christian Süß sicherte mit einem 3:1 gegen Andrei Filimon seinem Team schließlich den 3:0-Sieg und damit den Finaleinzug, doch ein souveräner Erfolg war das keineswegs.

DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig machte Ovtcharov und dem Team gleichwohl ein Kompliment: „Ich habe allergrößten Respekt davor, was Dimitrij geleistet hat in dieser Situation. Die war nicht leicht für ihn.” Die Mannschaft habe sich kampfstark und mental stark präsentiert. „Dass wir spielerisch stark sind, wussten wir.”

Der Finalgegner der Deutschen heißt Dänemark Auch hier ging es mächtig spannend zu.

Weitere Informationen und alle Resultate unter em2009.tischtennis.de

Von: RAHUL NELSON, STUTTGART